Der echte Test kommt drei Monate später.
Laurin GerdesCEO und Mitgründer · 2 Min. LesezeitAm 3. November 2026 moderierte ich in Brüssel den Roundtable „Clinical Training Adoption Barriers“. Er war Teil der TT LifeSciences Conference. Neun Teilnehmende aus sieben MedTech-Unternehmen diskutierten 75 Minuten lang, warum gute Produktschulung im Alltag oft trotzdem nicht ankommt.
- 7 von 8 gaben der Aussage zum ersten Fall drei Monate später die höchste Zustimmung.
- 5 von 7 gaben auch der Aussage zur veralteten Produktversion die höchste Zustimmung.
- Hands-on gegen digital: geteiltes Bild, Median 3.

Acht Stimmen, eine klare Sorge
Zu Beginn ließ ich drei Aussagen anonym auf einer Skala von eins bis fünf bewerten. Die stärkste Reaktion bekam nicht die Frage nach digital oder Hands-on. Sie kam bei einem viel alltäglicheren Moment: dem ersten echten Fall drei Monate nach dem Training. Sieben von acht Teilnehmenden gaben die höchste Zustimmung.
Dann sind die Trainer längst weitergereist und die Unterlagen verschickt. Ob das Wissen im entscheidenden Moment noch abrufbar ist, bleibt oft offen. Ein gutes Training kann sehr wohl in Erinnerung bleiben und im Alltag trotzdem zu früh enden.
Auch eine zweite Aussage bekam deutliche Zustimmung: Irgendwo im Markt wird gerade noch mit einer veralteten Produktversion geschult. Fünf von sieben Teilnehmenden gaben die höchste Bewertung. Das ist weniger ein Problem einzelner Lernender als eines der Verteilung und Aktualisierung.

Hands-on war nicht der Gegenpol
Die Aussage „Hands-on schlägt immer digital“ landete genau in der Mitte, bei einem Median von drei. Die Runde war geteilt. Für mich passt das: Das Handling am Gerät, der erste Fall und direktes Feedback gehören weiterhin in die Praxis. Zielgruppenwahl, Lernziele, Vorbereitung, Updates und Nachbereitung müssen aber nicht auf den nächsten Vor-Ort-Termin warten.
Das eigentliche Problem beginnt häufig vor dem Training. Die falschen Personen werden eingeladen, Lernziele bleiben unklar oder die Vorbereitung fehlt. Danach fehlt eine klare Zuständigkeit für Wiederholung, Rückfragen und neue Produktversionen. Diskutiert wurde deshalb auch eine Community, in die Teilnehmende nach dem Termin zurückkehren können.

Die Frage ist nicht digital oder Hands-on
Meine Schlussfolgerung nach 75 Minuten: Die richtige Person braucht zur richtigen Zeit die richtige Produktversion. Sie muss später wieder darauf zugreifen können. Gerade dann, wenn der erste echte Fall ansteht und vom Training nur noch die Praxis übrig ist.
Für mich bleibt aus Brüssel eine einfache Frage: Was hilft am Trainingstag, und was hilft drei Monate später? Beides muss von Anfang an mitgedacht werden.
Mehr zur Veranstaltung steht bei TT LifeSciences.


